Leseprobe: Nicht ohne meine Katzen  

 

Kapitel 4: Regeln sind dazu da, um eingehalten zu werden - nichts leichter als das !

Nur noch mal zur Erinnerung: Regel Nr. 1 handelte vom Wohnzimmer, Nr. 2 vom Schlafzimmer und Nr. 10 von der häuslichen Gewaltenteilung „Wer sagt, wo's langgeht".

Was Nr. 1 und das Wohnzimmer angeht, können wir mit Stolz behaupten, dass wir diese Regel fast immer eingehalten haben. An ihrem Einzugstag bei uns hatten die beiden Kleinen irgendwann das Sofa entdeckt und unter Zuhilfenahme aller Krallen irgendwann das kühle Leder erobert.

Die Bemühungen dabei waren echt niedlich - die Spuren, die sie dabei hinterließen, nicht ganz so niedlich; besonders die, die ein Fast-Absturz nach der Hälfte der Strecke erzeugte. Auf dem Sofa angekommen, entdeckten die beiden sogleich die eigens für sie dort ausgebreitete Katzendecke. Darauf kringelten sie sich sofort eng aneinandergekuschelt zusammen und schliefen sofort ein. Wahrscheinlich war die Erschöpfung nach der anstrengenden Erstbesteigung einfach zu groß.

Wir brachten es einfach nicht übers Herz, die Beiden aufzuwecken, als wir ins Bett gingen. So verbrachten sie ihre erste Nacht im neuen Zuhause im Allerheiligsten Tabu-Zimmer. Aber das war auch schon fast die einzige Ausnahme - im Ernst, diese Regel gilt bis heute und ist mit Leckerli-Bestechung auch meistens kampflos durchzusetzen.

Bei der Einhaltung der 2. Regel - das fast so heilige Schlafzimmer - waren wir nicht ganz so durchsetzungsstark. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass die Regel eigentlich gestrichen gehört, das Schlafzimmer ist mittlerweile das Lieblingszimmer der Bande und unser Bett der meistumkämpfte Platz im ganzen Haus. Aber fangen wir wieder am Anfang an.

An ihrem zweiten Tag bei uns hatten Bella und Paulinchen die Treppe nach oben entdeckt und waren wagemutig und neugierig Stufe für Stufe nach oben gekrabbelt. Dort wurden zunächst alle Zimmer einer gründlichen Inspektion unterzogen. Voller Hausfrauenstolz bemerkte ich, dass sie nicht einmal die Nase rümpften oder sogar aus einem der Zimmer entsetzt wieder abzogen.

Die beiden Körbchen, die wir für sie gekauft hatten, wurden zwar auch inspiziert, aber nicht so wirklich in Besitz genommen. Das Gästesofa wurde der nächste Schlafplatz der zwei Schwestern. Sei's drum, dachten wir, und gingen vergnügt abends in unser Bett, nicht ohne sorgfältig die Schlafzimmertür hinter uns zu schließen. Ich meine mich zu erinnern, dass diese Prozedur eine ganze Woche lang gut ging.

Als dann das Wochenende kam und wir glaubten, endlich mal wieder ausschlafen zu können, ging das Katzentheater los. Noch vor dem Einschlafen hörten wir die ersten Kratzgeräusche. Michael stand murrend auf, ging zur Tür und brummte mit der tiefsten ihm zur Verfügung stehenden Stimme „Ruhe da draußen!" - und sie waren ruhig. Na bitte, geht doch, muss nur ein Mann ran.....

Nach einiger Zeit fing draußen ein klägliches Gemaunze an. Jetzt hatte ich meinen Einsatz -laut klatschte ich in die Hände - und sie waren ruhig. Na bitte, geht doch - auf die Dauer hilft eben nur Frauenpower......

Es folgten noch Versuche, das Gejammere zu ignorieren und sich die Decke über die Ohren zu ziehen, aber, um es kurz zu machen, nach einer Stunde hatten sie bewiesen, dass Katzen einfach bessere Nerven haben als Menschen oder zumindest geduldiger sind. Wer stundenlang vor einem Mauseloch lauern kann, kann eben auch eine lächerliche Stunde lang vor einer geschlossenen Tür rummaulen. Sie hatten es geschafft - die Tür war offen und das blieb sie auch für alle Zeiten.

Immerhin fanden sie das Schlafen im Bett nicht so richtig toll. Paulinchen, die ja sowieso ein bisschen etepetete ist, kommt eigentlich nur ins Bett, wenn es adrett gemacht ist und sie findet, es sei an der Zeit, die schwarze Prinzessin ein wenig am Hals zu kraulen.

Ansonsten kratzt sie manchmal sonntags morgens am Bett, wenn sie meint, wir hätten nun genug geschlafen und müssten jetzt mal dringend fürs Katzenfrühstück sorgen. Das mit dem Kratzen beweist übrigens, dass Katzen ihre Dosenöffner verdammt gut kennen. Michael schläft wie ein Bär und schnarcht wie eine Kettensäge - aber wenn Paulinchen das Kratzen anfängt, ist er schlagartig wach. Meistens schimpft er dann mit ihr. Sie zeigt ihm allerdings nur die kalte Schulter und sucht das Weite.

Von seinem Gemecker werde ich allerdings dann auch wach, was zur Folge hat, dass ich mich bewege. Das wiederum ruft die kleine Bella auf den Plan. Sie hüpft zu mir ins Bett, krabbelt auf die Bettdecke und beginnt sofort mit dem großen "Menschen-Erweckungs-Programm", das im Wesentlichen aus Schnurren, "Guten-Morgen-Maunzen" und Treteln auf der Bettdecke besteht. Wenn das noch nicht hilft, legt sie noch ein wenig nach.

Dann wandert eine kleine Pfote in mein Gesicht, meistens ohne Krallenzugabe, aber dafür mit den Fellbüscheln, die Perserkatzen ja auch unter den Füßen haben. Wer das noch nicht erlebt hat, macht sich keine Vorstellung davon, wie Katzenfüße an der Nase kitzeln können.

Bei mir bewirkt das außerdem immer, dass mir ganz warm ums Herz wird. Ich bilde mir in solchen Momenten gern ein, dass Katzen so etwas nur tun, wenn sie „ihren" Menschen wirklich lieben - eigentlich eine wohltuende Idee oder nicht?

Seine Wirkung verfehlt das Ganze selten: Ich stehe irgendwann auf, die beiden Katzen flitzen vor mir die Treppe hinunter und sitzen - wie kleine, brave Engel - vor ihren Näpfen und warten aufs Frühstück. Bevor ich auf die Idee kommen kann, dass Menschen-Frühstück vielleicht auch eine wichtige Mahlzeit ist, sind die Katzen dran. Damit haben wir auch gleich Regel Nr. 10 ins Reich der Märchen verwiesen, obwohl sie sich bestechend einfach anhört: „Die Menschen bestimmen, wo's langgeht." Die beiden hatten uns nach relativ kurzer Zeit schon fest um ihre Pfoten gewickelt.

Aber muss man eigentlich immer beweisen, dass die Menschen allen anderen Geschöpfen überlegen sind? Ich finde, man muss auch mal verlieren können...........

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